Kaum wird es draussen mild, sind sie wieder da: Zecken gehören in der Schweiz zu den lästigsten Begleitern jedes Spaziergangs. Sie sind nicht nur unangenehm, sie können auf Hund und Mensch Krankheiten übertragen. Dieser Ratgeber zeigt dir, welche Zeckenarten bei uns vorkommen, welche Krankheiten sie auslösen können, wie du eine Zecke richtig entfernst und wie du deinen Hund schützt. Den wichtigen Hinweis findest du am Ende.
Zecken in der Schweiz: ein Überblick
Zecken sind keine Insekten, sondern Spinnentiere mit acht Beinen. Sie lauern im hohen Gras, an Waldrändern, in Büschen und im Unterholz, meist nur bis etwa Kniehöhe, und werden beim Vorbeistreifen abgestreift. Der verbreitete Glaube, sie würden von Bäumen fallen, stimmt nicht.
Beim Blutsaugen können Krankheitserreger übertragen werden. Borrelien wandern dabei meist erst nach Stunden vom Darm der Zecke in den Körper, ein schnelles Entfernen senkt das Borreliose-Risiko darum deutlich. FSME-Viren sitzen dagegen im Speichel und können schon früh übertragen werden. Such und entferne Zecken nach jedem Ausflug deshalb so rasch wie möglich.
Wann ist Zeckensaison?
Zecken werden ab rund 7 Grad aktiv, in der Regel von März bis November, mit deutlichen Spitzen im Frühling und im Herbst. Durch die milderen Winter sind einzelne Arten inzwischen fast das ganze Jahr unterwegs. Als Faustregel gilt: Ist es draussen mild, ist Zeckenzeit, und die Kontrolle gehört zum Spaziergang dazu.
Die wichtigsten Zeckenarten
In der Schweiz sind vor allem drei Arten für Hundehalterinnen und Hundehalter wichtig:
Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus). Die mit Abstand häufigste Zecke der Schweiz, in fast allen Lebensräumen und bis in höhere Lagen verbreitet. Sie überträgt vor allem Borreliose und FSME.
Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus). Breitet sich bei uns immer weiter aus, hat ein auffällig gemustertes Rückenschild und ist sogar in milden Wintermonaten aktiv. Sie überträgt die für Hunde gefährliche Babesiose, umgangssprachlich „Hundemalaria“.
Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus). Bei uns seltener und meist aus dem Süden eingeschleppt, etwa nach den Ferien. Sie kann sich als einzige Art auch in Wohnungen und Zwingern vermehren und überträgt unter anderem Ehrlichiose und Babesiose.
Vereinzelt werden über Zugvögel grössere, wärmeliebende Zeckenarten eingeschleppt. Das bleibt bislang die Ausnahme, zeigt aber, dass sich die Zeckenwelt verändert.
Bildnachweis: Gemeiner Holzbock © W. alter (CC BY-SA 4.0), Auwaldzecke © Christian Fischer (CC BY-SA 4.0), Braune Hundezecke gemeinfrei, alle via Wikimedia Commons.



Diese Krankheiten übertragen Zecken
Nicht jeder Zeckenstich macht krank. Das Risiko steigt aber, je länger eine Zecke saugt. Diese Erkrankungen sind in der Schweiz am wichtigsten:
Borreliose (Lyme-Borreliose). Wird durch Bakterien übertragen, meist vom Holzbock. Beim Hund zeigt sie sich oft erst spät durch Fieber, wechselnde Lahmheit, geschwollene Gelenke und Mattigkeit. Beim Menschen ist eine ringförmige Rötung um die Stichstelle (Wanderröte) ein typisches Warnzeichen. Für Hunde gibt es eine Impfung, sprich sie mit deinem Tierarzt durch.
FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis). Ein Virus, das ebenfalls der Holzbock überträgt und vor allem den Menschen trifft, im Ernstfall mit einer Entzündung von Hirnhaut und Nervensystem. Fast die ganze Schweiz gilt heute als FSME-Risikogebiet, ausgenommen ist nur noch das Tessin. Für Menschen wird die Impfung empfohlen. Hunde erkranken selten, sind aber nicht völlig ausgenommen.
Babesiose („Hundemalaria“). Parasiten, die rote Blutkörperchen zerstören, übertragen vor allem von der Auwaldzecke. In der Schweiz tritt sie bisher vor allem in der Westschweiz und im Mittelland auf. Anzeichen beim Hund sind hohes Fieber, Schwäche, blasse Schleimhäute und dunkler, rötlicher Urin. Babesiose kann lebensbedrohlich werden und gehört rasch in tierärztliche Behandlung.
Anaplasmose und Ehrlichiose. Bakterielle Infektionen, die sich durch Fieber, Abgeschlagenheit, Gelenkschmerzen und manchmal eine erhöhte Blutungsneigung zeigen. Die Ehrlichiose wird meist aus südlichen Ferienländern mitgebracht.
Kontrolle nach dem Spaziergang
Such deinen Hund nach jedem Ausflug gründlich ab. Fahr mit den Fingern langsam durchs Fell, besonders an Kopf, Ohren, Hals, Achseln, Bauch, Leiste und zwischen den Zehen. Dort sitzen Zecken besonders gern, weil die Haut dünn und warm ist.
Denk dabei auch an dich selbst, denn Zecken erwischen nicht nur den Hund. Auf heller Kleidung entdeckst du eine krabbelnde Zecke schneller, kontrolliere dich nach dem Spaziergang also genauso.
Eine Zecke richtig entfernen
Am einfachsten geht es mit einem Zeckenhaken: Unserer Erfahrung nach lässt sich die Zecke damit oft bedeutend einfacher vollständig entfernen. Schieb den Haken hautnah unter die Zecke und dreh sie sanft heraus. Mit einer Zeckenzange oder -karte greifst du sie ebenfalls möglichst hautnah und ziehst sie langsam und gerade heraus. Wichtig in jedem Fall: nicht quetschen und auf keinen Fall Öl, Klebstoff oder Hitze einsetzen, das lässt die Zecke vermehrt Speichel abgeben und erhöht das Risiko einer Übertragung.
Danach desinfizierst du die Einstichstelle und beobachtest sie einige Tage. Bleibt ein kleiner Rest der Mundwerkzeuge stecken, stösst der Körper ihn meist von selbst ab. Entzündet sich die Stelle, geh zum Tierarzt.
Zecke aufheben für einen möglichen Test. Du kannst die entfernte Zecke aufbewahren, um sie bei Krankheitszeichen auf Erreger wie Borrelien oder das FSME-Virus testen zu lassen. Gib sie dazu trocken in ein kleines, gut verschlossenes Döschen oder einen Zip-Beutel, nicht in Alkohol oder Öl, und notiere das Datum des Stichs. Ob die Zecke tot oder lebendig ist, spielt keine Rolle. Im Kühlschrank hält sie sich rund einen Monat, eingefroren auch länger. Fürs Einschicken an ein spezialisiertes Labor gilt: je früher, desto besser.
Wichtig zu wissen: Ein Zeckentest zeigt nur, ob die Zecke Erreger in sich trug, nicht, ob dein Hund oder du tatsächlich angesteckt wurdet. Verlass dich also nicht allein auf das Ergebnis. Treten Krankheitszeichen auf, geh unabhängig davon zum Tierarzt beziehungsweise zur Ärztin.
Deinen Hund vor Zecken schützen
Den besten Zeckenschutz stimmst du mit deinem Tierarzt ab. Üblich sind drei Gruppen, alle gibt es beim Tierarzt:
Spot-on (zum Auftropfen). Der Wirkstoff kommt in den Nacken und schützt rund vier Wochen, Beispiele sind Frontline oder Advantix. Permethrinhaltige Produkte wie Advantix sind allerdings für Katzen giftig, also Vorsicht im Haushalt mit Katze.
Kautabletten. Beispiele sind Bravecto (rund zwölf Wochen) sowie NexGard, Simparica oder Credelio (monatlich). Sie wirken meist auch gegen Flöhe. Die Zecke muss dabei zustechen und wird dann rasch abgetötet. EMA und FDA weisen auf seltene neurologische Nebenwirkungen hin, vor allem bei Hunden mit Epilepsie, darum gehört die Gabe in tierärztliche Hand.
Zeckenhalsbänder. Beispiele sind Seresto (bis rund acht Monate) oder Scalibor. Sie schützen lange, halten Zecken ab und töten sie. Auch hier gilt: deltamethrin- oder permethrinhaltige Bänder sind für Katzen giftig.
Welches Mittel passt, hängt von Hund, Lebensweise, Region und davon ab, ob eine Katze im Haushalt lebt. Ergänzend hilft, hohes Gras und dichtes Unterholz zu meiden und konsequent nach jedem Spaziergang zu kontrollieren. Gegen Borreliose gibt es für Hunde zudem eine Impfung, für dich als Halterin oder Halter ist in der Schweiz die FSME-Impfung empfohlen. Dein Tierarzt beziehungsweise deine Ärztin berät dich dazu.
Wann du zum Tierarzt solltest
Beobachte deinen Hund in den Tagen und Wochen nach einem Zeckenstich. Zum Tierarzt solltest du bei Fieber, Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Lahmheit, blassen Schleimhäuten, dunklem Urin oder einer sich ausbreitenden Rötung und Schwellung. Im Zweifel lieber einmal mehr abklären lassen, viele Zeckenkrankheiten lassen sich gut behandeln, wenn man früh reagiert.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche oder ärztliche Beratung. Bei Krankheitszeichen nach einem Zeckenstich wende dich bitte an deinen Tierarzt beziehungsweise deine Ärztin.
Quellen und weiterführende Links
Für die fachlichen Angaben in diesem Beitrag haben wir uns an folgenden Schweizer Quellen orientiert:
- Bundesamt für Gesundheit (BAG): Zeckenübertragene Krankheiten und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
- ESCCAP Schweiz: Zecken und Zeckenschutz bei Hund und Katze
- zecken-stich.ch: Zeckenarten und FSME-Risikogebiete in der Schweiz